Das Dojo (道場) ist mehr als ein Sportraum – es ist ein Ort des Respekts, der Konzentration und der Gemeinschaft. Die Dojo-Etikette ist kein leerer Formalismus. Sie schafft eine Atmosphäre, in der ernsthaftes Training möglich ist, und vermittelt Werte, die über die Kampfkunst hinausgehen.
Beim Betreten und Verlassen des Dojos
- Beim Betreten und Verlassen des Dojos: stehende Verbeugung (Ritsu Rei) in Richtung Kamiza (Ehrenseite des Raums)
- Schuhe werden vor dem Dojo ausgezogen – der Trainingsbereich wird nur barfuß betreten
- Die Trainingskleidung (Karate-Gi oder Dogi) ist sauber und ordentlich
- Man kommt pünktlich. Wer zu spät kommt: im Türrahmen stehen bleiben, warten bis Sensei den Eintritt erlaubt, dann verbeugen und leise einreihen
Die Begrüßungszeremonie (Training-Beginn)
Jedes Training beginnt mit einem festen Zeremoniell:
- Aufstellung nach Gürtelgrad (höchster Grad rechts)
- „Seiza!" – formelles Hinknien (linkes Knie zuerst)
- „Mokuso!" – ca. 30–60 Sekunden stille Meditation
- „Mokuso Yame!" – Ende der Meditation
- „Shomen ni Rei!" – Verbeugung zur Ehrenseite
- „Sensei ni Rei!" – Verbeugung zum Lehrer. Schüler sprechen: „Onegai shimasu!" (Bitte unterrichte mich)
- Aufstehen (rechtes Knie zuerst)
Die Verabschiedungszeremonie (Training-Ende)
Gleicher Ablauf – mit dem Unterschied:
Bei „Sensei ni Rei" sagen die Schüler: „Arigato gozaimashita!" (Vielen Dank – Vergangenheitsform, weil das Training abgeschlossen ist)
Während des Trainings
- Auf Kommandos wird mit „Hai!" (はい – „Ja" / „Verstanden") geantwortet – nicht „Oss"
- Gespräche während des Trainings nur wenn notwendig und leise
- Kein Schmuck, keine Uhren (Verletzungsgefahr)
- Der Gi bleibt immer ordentlich – zwischendurch richten ist erlaubt und erwünscht
- Partnerübungen werden mit echter Konzentration und Kontrolle ausgeführt – nicht hastig
Partner-Etikette
- Vor und nach jeder Partnerübung verbeugen sich die Übenden gegenseitig
- Den Partner immer mit Respekt behandeln – auch wenn die Technik nicht klappt
- Keine übermäßige Kraft gegen Anfänger oder kleinere Partner
- Feedback freundlich und konstruktiv, falls überhaupt: das ist Aufgabe des Sensei
Das Dojo Kun – Die Leitsätze des Dojos
Der Dojo Kun (道場訓) ist eine Sammlung von Verhaltensleitsätzen, die das Wesen des Karate über die Technik hinaus beschreiben:
- Hitotsu – Jinkaku kansei ni tsutomuru koto – Strebe nach der Vollendung des Charakters
- Hitotsu – Makoto no michi wo mamoru koto – Gehe den Weg der Aufrichtigkeit
- Hitotsu – Doryoku no seishin wo yashinau koto – Fördere den Geist des Strebens
- Hitotsu – Reigi wo omonzuru koto – Achte auf gutes Benehmen und Respekt
- Hitotsu – Kekki no yu wo imashimuru koto – Meide jede Form von unkontrolliertem Temperament
Jeder Leitsatz beginnt mit „Hitotsu" (Erstens) – ein Zeichen, dass alle gleich wichtig sind.
Warum Etikette?
Karate-Etikette ist kein Militarismus und keine blinde Unterwerfung. Sie ist ein Werkzeug:
- Sicherheit: Disziplin verhindert Unfälle im Training mit Vollkontakt-nahen Techniken
- Konzentration: Rituale helfen, den Kopf freizubekommen
- Gemeinschaft: Gemeinsame Regeln schweißen zusammen
- Übertragbarkeit: Wer lernt, im Dojo respektvoll zu sein, bringt das auch nach Hause mit
Budo Akademie München – Traditionelles Shorin Ryu Karate und Matayoshi Kobudo seit 1989
Die vollständige Regelsammlung
Als aktives Dojo-Mitglied findest du alle 30 verbindlichen Verhaltensregeln hier: Verhaltensregeln im Dojo – vollständige Liste.
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